21. Oktober 2007 - 12:34 Uhr
Ich habe immer angenommen, Barcelona liegt in Spanien. Aber nein: Barcelona liegt in Catalunya – und das ist etwas ganz anderes!
Die autonome Gemeinschaft Catalunya ist neben dem Baskenland und Galicien die dritte Provinz Spaniens, die besondere Rechte und ein spezielles Kulturbewusstsein haben. Es gibt eine eigene Sprache, eine eigene Polizei und den Glauben, dass Catalunya vielmehr eine eigene Nation sei, als ein Teil von Spanien.
Während der Franco-Diktatur wurde das Catalan verboten und damit die Kultur und Autonomie der Region unterdrückt. Die Sprache, eine Mischung aus Spanisch und Französisch, konnte nur gerettet werden, weil sie in Klöstern konserviert und in den Kreisen der Widerstandskämpfer als eine Art Geheimsprache verwendet wurde. Mit dem Ende der Diktatur erhielt Catalunya den Status als unabhängige Provinz zurück und praktiziert nun mit besonderem Engagement das Catalan.
Viele Schüler lernen hier Spanisch als Fremdsprache und sprechen mit Fremden lieber Englisch, als Castellano (das Spanisch der Iberischen Halbinsel), um sich vom Rest Spaniens abzugrenzen. Alle Schilder sind auf Catalan, die Durchsagen in der Metro ebenso und es gibt eine Reihe von Fernsehsendern, die nur auf Catalan ausstrahlen.
An der Uni führt diese Zweisprachigkeit zu eingeschränkten Möglichkeiten für ausländische Studierende, da ein Großteil der Veranstaltungen auf Catalan gehalten werden, alle Mails und Begleitbücher in dieser Sprache verfasst sind und Diskussionen auch bei Veranstaltungen, die auf Castellano stattfinden, gerne in Catalan gehalten werden.
Die markante Fahne Catalunyas, dichte rote und gelbe Streifen, wird ergänzt durch das Wappentier, einen Esel. Böse Zungen behaupten, dass der Esel die Haupteigenschaften der Catalanen widerspiegelt: Zähheit, Sturheit und Trägheit.
(Hanna)

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16. Oktober 2007 - 12:02 Uhr
Es ist schon Ewigkeiten her, dass ich einen Beitrag geschrieben habe. Ich dachte, die ersten Tage in Barcelona werde ich die meiste Zeit allein in meinem Kämmerlein sitzen, keinen kennend, nicht wissend wohin und hilflos Nachrichten in das Internet sendend.
Aber Pustekuchen: Der Sonntag, mein Ankommtag verflog wie nichts und am Montag pünktlich um 9 Uhr stand ich im Büro meiner Uni. Dann ging es Schlag auf Schlag: Studienberatung, eingeschrieben, Stundenplan bekommen, zur Mutter-Uni gefahren, eingeschrieben, Catalan-Kurs gesucht, Handy gekauft, Bibliothek gesucht, Supermarkt gefunden…
Seit zwei Wochen studiere ich nun an der EINA, einer privaten Design-Schule in Barcelona. Mondän residiert man dort in einem kleinen Schloss mit Garten und Springbrunnen. Und die Studenten stammen, mit Ausnahme der wenigen ERASMUS-Leute, aus etablierten Barceloneser Familien. Als ich die Rechnung für mein Semester an der EINA präsentiert bekam, war ich sehr dankbar, dass es in Deutschland noch keine Studiengebühren gibt und ich auch in Spanien davon befreit bin! Pro Kurs wird hier gezahlt, und das nicht zu knapp. (Alle gängigen Kreditkarten werden im Büro der Schule akzeptiert, aber Barzahlung ist durchaus üblich.)
Man merkt, dass genügend Geld für Räume und Material zu Verfügung steht, alles ist neu und vom Besten. Der Hausmeister ist rund um die Uhr beschäftigt, die Böden auf Hochglanz zu halten und die Schule unterhält ihr eigenes Café im Park. Übrigens ist das Arbeiten mit einem Laptop trotz der bequemen Stühle im Flur verboten, dafür gibt es einen eigenen Arbeitsraum!
(Hanna)

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27. September 2007 - 14:43 Uhr
Dass die Wassersituation in Spanien schwierig ist, war mir bekannt. Aber dass sich dieser Zustand auch auf meine derzeitige WG bezieht, war neu.
Durchgeschwitzt und durstig kamen wir nachts nach Hause, freuten uns auf eine Dusche, ein ueppiges Mahl und vor allem saubere Fuesse. Aber: kein Tropfen kam aus den Leitungen. Na gut, kein Essen und keine Dusche. Zaehneputzen und Katzenwaesche mit einer Flasche Mineralwasser – ungewohnt, aber moeglich. Die wirkliche Bedeutung des Wasserausfalls wurde uns erst bewusst, als fuenf Leute aufs Klo mussten und nicht spuelen konnten. Bei warmen Temperaturen eine wahre Freude.
Etwa 20 Stunden spaeter hatten wir wieder Wasser und waren um eine Erfahrung reicher. Unglaublich, wie man sich an fliessendes Wasser gewoehnt hat, wie oft man sich – einfach damit man sich besser fuehlt – die Haende waescht und wie selbstverstaendlich eine Klospuelung voraussetzt.
(Hanna, geduscht und gewaschen)
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25. September 2007 - 15:30 Uhr
Zur Reduzierung des Aggressionspotenzials in urbanen Transportmitteln setzen die spanischen Verkehrsbetriebe vermehrt klassische Musik ein. Die verwendeten Melodien zeichnen sich durch ihre enorm einschläfernde und dadurch deeskalierende Wirkung aus. Ein Weckservice ist im Ticketpreis mit inbegriffen.
(Hanna)
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20. September 2007 - 17:45 Uhr
Neben Meerestieren aller Art kann man in Málaga eine Spezies besonders häufig antreffen: den “Buitre” (gesprochen, wie man ihn schreibt, bedeutet “Buitre” eigentlich Geier).
Der gemeine Buitre hält sich gerne an belebten Orten auf, die mit genügend Frischfleisch versorgt werden. Bevorzugt werden hellhäutige und blonde Chicas verzehrt, wobei sorgfältiges Auswählen und Beobachten der Beute zum Prozedere eines ausgiebigen Mahles gehört: Zuerst umkreist der Buitre sein nichts ahnendes Opfer. Dann schnellt er mit schnalzenden, schmatzenden oder pfeifenden Lauten, die behaarte Brust stolz geschwellt, aus einer dunklen Nische hervor, um die Reaktionsschnelligkeit der Chica zu testen. Nimmt diese nicht sofort Reißaus, beginnt ein langwieriges Spiel mit dem Futter, bis dieses – erschöpft – aufgibt, oder – wütend – einen Gegenangriff startet.
In der Gruppe der Buitres gibt es verschiedene Unterarten, die in ihrer Vielfalt den Insekten Konkurrenz machen. An dieser Stelle möchte ich nur einige nennen: den Strand-Buitre, macht hauptsächlich Jagd auf Chicas, deren physische Erscheinung eine üppige Beute verspricht, den Straßen-Buitre, sein charakteristischer Ruf “Guapa! Guapa!” ist nicht zu überhören, und den Viejo Verde, der sich im fortgeschrittenen Alter ausgiebig der Hetzjagd junger Opfer widmet.
Der Buitre nimmt in der Tierwelt Spaniens eine derart wichtige Rolle ein, dass er sogar im Unterricht besprochen wird: Erstens, er war und wird nie vom Aussterben bedroht sein, zweitens, die Population erstreckt sich flächendeckend über das ganze Land und zeigt – ungeachtet des Alters – eine bemerkenswerte Paarungsbereitschaft, und drittens, die Hartnäckigkeit eines Buitres ist fast sprichwörtlich.
Tatsächlich gibt es nur drei Möglichkeiten einem dieser gnadenlosen Jäger zu entkommen, hat er sich erstmal verbissen: Man rennt schneller als er, schlägt ihn KO oder wendet die Technik des “ser sueca” an, die mit “sich tot stellen” verglichen werden kann.
Die Errichtung eines Reservates für Chicas ist unter Experten keine Lösung für diese Plage, da sich die Vorlieben der Jäger innerhalb kürzester Zeit der Verfügbarkeit der Beute anpassen. In Spanien wird deshalb gerade über eine Abschusserlaubnis für Buitres diskutiert.
(Hanna)
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18. September 2007 - 14:55 Uhr
Die Zeiten, in denen man in deutschen Supermärkten Plastiktüten hinterher geworfen bekam, sind lange vorbei. In Spanien ist dieser “Service” noch an der Tagesordnung. Außerdem ist alles, was man kauft, fünffach eingewickelt und verschweißt. Es gibt keine Pfandflaschen und Cola in Dosen ist spottbillig. Man produziert eine unglaubliche Menge Müll und kann noch nicht mal Papier von Plastik und Glas trennen. Es gibt keine Container für recyclebare Rohstoffe. Alles, vom Biomüll bis zur Weinflasche, wandert in große Mülltonnen – oder wo anders hin. Fährt man mit dem Auto aus der Stadt, säumen stinkende Müllberge die Straßen.
In der Stadt wird trotz der netten Aufforderungen an den Mülleimern (“Úsame”, bedeutet so viel wie “Benutze mich”) einfach alles auf den Boden geworfen. Jede Nacht spritzt dann die Stadtreinigung mit riesigen Schläuchen die Straßen sauber. Eine weitere ökologische Katastrophe, denn Spanien leidet seit Jahren an Wassermangel. Überall sieht man Aufforderungen Wasser zu sparen und das Fernsehen zeigt Spots über eine effektivere Nutzung. Aber es gibt keine Stöpsel für das Waschbecken, die Hähne und Klospülungen tropfen und die Beuler sind so schlecht, dass man das Wasser 15 Minuten laufen lassen muss, bis es warm wird.
Mir tut es weh zu sehen, wie die Leute ihre Natur kaputt machen und sich damit selbst der Lebensqualität und, besonders in ländlichen Gebieten, der Lebensgrundlage berauben. Spanien hat eine Verhaltensänderungen dringend nötig!
(Hanna)
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10. September 2007 - 13:43 Uhr
&Am Sonntag war ich ein bisschen zum Fotografieren unterwegs. In einer Seitenstraße treffen sich alle herrenlosen Katzen der Stadt zum Resteessen.
Hier mal zwei Impressionen.
(Hanna)

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10. September 2007 - 13:27 Uhr
Ich fahre jeden Morgen mit dem Bus zur Sprachschule. Mittlerweile besitze ich sogar eine Chipkarte, auf der die Fahrten mit einem “Piep” abgebucht werden. (Aber Vorsicht! Die Automaten sind gierig und nehmen gerne auch mal zwei Punkte…) Generell gilt jedoch die Rechnung: eine Fahrt, ein Euro, egal wie viele Stationen.
Die Spanier stellen sich an den Bushaltestellen in ordentlichen Reihen auf und klettern gesittet in der klimatisierten Bus. Und rutschen zusammen, und stapeln sich übereinander, verkeilen sich – das hat den Vorteil, dass man nicht mehr umfallen kann. Hier bekommt das Wort “Nahverkehr” eine neue Bedeutung.
Die Kunst besteht jetzt darin, erstens, noch Zeitung zu lesen, während man vier Menschen mit drei Taschen auf dem Schoß hat und, zweites, auszusteigen. Aber die Übung macht den Meister: “PERDON, TENGO QUE SALIR!!!”
(Hanna, Großmeisterin des Nahverkehrs)
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