Kategorie: Filmkritik


Agora

19. Mai 2009 - 14:55 Uhr

Es fällt mir schwer, Alejandro Amenabars Sandalenfilm “Agora” zu bewerten. Ohne Frage, die Szenerie, die Musik, die Kamera, die Schauspieler – alles ist perfekt. Riesige Massenszenen, oppulente Kostüme, Schlachtengetümmel, unendliche Fahrten bebildern das Epos über die Philosophin und Astronomin Hypatia im Ägypten des 4. Jahrhunderts, die in Mitten eines religösen Kampfes zwischen Polytheisten, Juden und Christen zwischen zwei Männern und ihrer Wissenschaft steht. Der Film ist so pompös, dass man sich ihm nicht entziehen kann. Man kann “Agora” als geradezu undemokratisch bezeichnen. Eine objektive Meinungsbildung ist bei einer solchen Inszenierung nicht möglich. Weiterlesen »

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Samson and Delilah

19. Mai 2009 - 14:32 Uhr

Samson and Delilah ist der australische Beitrag in der Reihe UN CERTAIN REGARD und war unser erster Kinobesuch am Samstag in Cannes.
Das Debüt von Warwick Thornton erzählt die Geschichte von Außenseitern der australischen Gesellschaft, den Aboriginal-Teenagern Samson und Delilah. Sie leben in der australischen Wüste, in einem armen Dorf, weitab von großen Städten, Delilah mit ihrer Großmutter und Samson mit seinen Brüdern. Es gibt nichts zu tun, alles wiederholt sich, Delilah fertigt mit ihrer Großmutter Kunsthandwerk an, Samson hängt rum und schnüffelt aus lauter Langeweile Klebstoff. Samson interessiert sich für Delilah, aber sie lässt ihn nicht an sich heran. Weiterlesen »

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Looking for Eric

18. Mai 2009 - 19:48 Uhr

Eric ist Postbote. In seiner Freizeit hütet er das Baby seiner Tochter, die gerade ihren Abschluss am College macht. Oder er räumt seinen beiden Söhnen hinterher, die das Zuhause in ein Lager für ergaunerte Baumaschinen und Fernsehgeräte umgewandelt haben. Und dann ist da noch Lily. Erics große Liebe, die er vor 30 Jahren in einem Anfall von Angst vor der Zukunft, einer Bindung, der Angst vor dem Leben, verlassen hat. Eric liebt Lily immer noch – aber geht ihr aus dem Weg. Die Angst ist einfach stärker. Weiterlesen »

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The International

7. März 2009 - 12:04 Uhr

Lieber Tom Tykwer,

Es tut mir ehrlich leid, aber dein neuer Film bekommt auf unserer internen Wertung nur magere 5 Punkte. Noch auf dem Berlinale Talent Campus habe ich dich über das Thriller-Genre und die Gestaltung von Filmfiguren sprechen hören. Hat mir alles sehr gefallen. Um so größer war meine Verwunderung, als ich “The International” im Kino sah. Wie war das noch mal: Thriller? Figuren? (Und dann noch diese unsägliche Diskussion um die prophetische Voraussicht des Bankencrashs!) Weiterlesen »

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Frost/Nixon

7. März 2009 - 11:21 Uhr

Ein legendäres Duell wird wiederholt auf die Leinwand gebracht: Der TV-Show-Moderator Frost interviewt Expräsident Nixon zu seinem Leben, seiner Politik – und zu seinen Fehlern. Zusammen mit einem politisch-rhetorisch geschulten Team versucht Frost Nixon den Prozess zu machen, den er verdient aber nie bekommen hatte.
29 Interviewtage spielt Nixon mit dem charismatischen aber politisch völlig unerfahrenen Frost, wie die Katze mit einer todgeweihten Maus. Mit jedem Tag sinkt die Stimmung der Expertengruppe weiter in den Keller, sogar der schillernde, immer positive Strahlemann Frost sieht sich persönlich ruiniert (hat er sich doch bis an sein Lebensende verschuldet, um Nixon vor die Kamera und sich damit aus dem Vorabendprogramm zu bringen).
Doch in der Nacht vor dem letzten Interview, kommt Frost – der sich bis dahin aus der inhaltlichen Gestaltung des Gesprächs immer herausgehalten hatte – der Geistesblitz. Hätte es sich nicht wirklich so zugertagen, die Wendung der Geschichte zum Hollywood tauglichen Finale wäre nicht aushaltbar. Weiterlesen »

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96 Stunden

24. Februar 2009 - 12:31 Uhr

Stell Dir vor Du bist ‘ne Frau und gehst in einen Actionfilm. Dann sitzt du wahrscheinlich so wie ich in einem Kino voller Männer und Du siehst 90 min Liam Neeson, der nochmal einen Actionfilm drehen wollte, bevor er zu alt dafür ist (oder doch wieder ein Jedi-Ritter wird). 96 Stunden bleiben ihm, um seine Tochter vor Drogenabhängigkeit und Zwangsprostitution zu retten; das ist schon die ganze Geschichte. Rechts und links bleiben die Leichen liegen, Neeson schiesst sich den Weg durch die albanische Mafia frei und doch hat diese “Einmann-Nahkampf-Strategie” Poesie, Stil und Charme. Sehr archaisch und ohne großartige, heute gerne verwendetet Effekte schafft Besson wieder einmal Körperkino der oberen Klasse zu inszenieren, in dem die ringenden Gegner im Zweikampf fast zu tanzen scheinen. Actionkino, das trotz aller Gewalt etwas mit jedem von uns zu tun hat. Mit “96 Stunden” hinterlässt der Produzent Luc Besson wieder einmal mehr seine, von mir geliebte Handschrift, die mich schon früh fasziniert hat in “Nikita”, “Leon der Profi”, “Taxi” oder “Das fünfte Element”.

“96 Stunden” bekommt von mir 8 von 10 möglichen Punkten.

p.s. für alle, die keine Blut sehen können…man sieht keins!

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Max Peinlich

14. Februar 2009 - 14:47 Uhr

Max’ Mutter ist echt peinlich. Sie hat ein Talent dafür mit dem Ärmel an Türklinken hängen zu bleiben, wenn man gerade seine coolen neuen Freunde beeindrucken will. Sie spricht mit sich selbst oder redet im Supermarkt so laut, dass sich alle umdrehen. Und dann erzählt sie auch noch total peinliche Geschichten – vor der Flamme ihres Sohnes. Max würde am liebsten im Boden versinken.
Und dann passieren einige Dinge im Leben von Max, die dringend Handlungsbedarf erfordern. Die normalen Lösungsversuche schlagen fehl und Max muss erkennen, dass es manchmal gar nicht so schlimm ist, peinlich zu sein. Vielmehr erfordern peinliche Probleme peinliche Lösungen! Weiterlesen »

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Überall Wasser

10. Februar 2009 - 12:16 Uhr

Nun sind wir schon fünf Tage hier in der Hauptstadt, auf der Berlinale, zwischen rotem Teppich, Blitzlicht und “Ah, hast Du den schon gesehen…”. Fünf Tage Begegnungen, Menschenansammlungen, Medienrummel und der Hauptsache; Festivalfilmen. Doch je mehr man mit Networking befasst ist, desto rarer werden leider die Kinobesuche. Und so habe ich erst zweimal die Möglichkeit gehabt: der Kinderfilm “Die Magie des Wassers” und das Jugenddrama “Cherrybomb”.
Die neuseeländische deutsche Koproduktion “Magie des Wassers” erzählt die Geschichte des Zwillingspärchens Melody und Kimi. Nach dem tragischen Unfalltod von Melody bleibt der Maori Junge Kimi alleine zurück und versucht auf seine Art mit dem Verlust zurecht zu kommen: für zwei Essen, mit Melody reden, ihr Foto von der Wand der Toten nehmen…das ist seine Art sich dem Tod seiner Schwester zu verweigern; seine Art, sie bei sich zu behalten. Doch Melodys “Geist” ist eigenwillig, sie ist müde und möchte ihren Frieden finden und bittet Kimi, sie gehen zu lassen. Er weigert sich hartnäckig, doch nach und nach beginnt er zu verstehen, was Tod bedeutet und das “Loslassen” dazugehört. Zwei wunderbare Kinderdarsteller bewegen sich in einer Welt des Wassers (Regen, Meer), die Bilder spiegeln die Farben und den Klang des Meeres in einer sehr epischen Erzählungform. Leider lenkt die zu dominate Nebenhandlung zwischen zwei Teenagern von der Interaktion zwischen den Geschwistern ab, so dass der Zuschauer immer wieder die Nähe zu Kimi und Melody verliert. Aber trotzdem eine “7″ mit Meerschaum von mir. (ch)

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