18. September 2008 - 22:10 Uhr
Bei fürchterlichem Griesbrei und Eiseskälte entstand eine Initiative zur Rettung einer fast vergesenen Zeitform. Um dem geneigten Leser dieses missachtete Tempus wieder in Erinnerung zu rufen, schließen wir diesen Beitrag mit einer Lektion des Telekollegs:
Der Potsdamer Platz ist umgebaut worden.
Frage: Ist dieser Prozess bereits abgeschlossen?
Antwort: Nein, das Perfekt im gehobenen Sprachgebrauch signalisiert, dass das vergangene Ereignis noch nicht vollständig abgeschlossen ist oder einen konkreten Bezug zur Gegenwart aufrecht erhält. Um den Prozess als endgültig abgeschlossen zu definieren, wird das Plusquamperfekt (nachfolgend PQ genannt) eingesetzt.
Beispiel: Der Potsdamer Platz war umgebaut worden.
Schwieriger wird die Syntax bei unterschiedlichen Ereignissen innerhalb eines Satzes. Bringen wir nun den Umbau des Potsdamer Platzes mit einem tragischen Todesfall in Verbindung, stellt sich die Frage nach der Vor- bzw. Nachzeitlichkeit der Geschehnisse.
Beispiel 1: Der Potsdamer Platz ist umgebaut worden, als Klaus umgebracht worden war.
(Hierbei ist der Umbau, im Gegensatz zu Klaus’ Leben, noch nicht vollständig abgeschlossen)
Beispiel 2: Klaus ist umgebracht worden, als der Potsdamer Platz umgebaut worden war.
(Der Platz ist fertig, Klaus noch nicht.)
Beispiel 3: Klaus war, nachdem der Potsdamer Platz umgebaut worden war, umgebracht worden.
(Definitiv die letzte und endgültig abgeschlossene Variante beider Ereignisse. Man beachte die Betonung der Vorzeitlichkei des Umbaus durch die Konjunktion “nachdem”.)
Es war uns eine Ehre gewesen,
H&M
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2. September 2008 - 11:55 Uhr
Eine junge Frau aus der Ukraine kommt nach Italien und arbeitet dort für einen durchgeknallten Zuhälter als Prostituierte. Nicht nur, dass sie zu allen unerdenklichen perversen Machtspielen sexueller Natur missbraucht wird, zudem macht er ein Geschäft aus ihrer Fruchtbarkeit, lässt sie immer wieder schwanger werden (neun Mal) und verkauft dann die Kinder an kinderlose Ehepaare. Doch das erfährt der Zuschauer erst ganz am Ende des Films. „Die Unbekannte“ beginnt mit einer seriösen jungen Frau, die auf der Suche nach einer Anstellung in einem gediegenen italienischen Mietshaus ist. Sie zieht in das Haus gegenüber, beobachtet das Nachbarhaus. Beginnend als Putzfrau für das Treppenhaus erschleicht sie sich Stück für Stück das Vertrauen der dortigen Bewohner, bis sie eine Stelle als Kindermädchen bekommt. Sie baut eine äußerst enge Bindung zu dem kleinen Mädchen Thea auf und gerade in dem Moment, in dem wir uns fragen, was Irina motiviert, Thea so viel von sich zu geben, taucht ihr alter brutaler Zuhälter auf. Von diesm Moment an treiben immer größere Fragmente der Vergangenheit und Gegenwart die Spannung voran. Irena glaubte, den Peiniger umgebracht zuhaben und hatte sich mit seinem Geld davon gemacht. Doch er hat nach ihr gesucht und wollte sie nun bezahlen lassen. Und es beginnt von Neuem: Gewalt, Rache, Brutalität wobei sich Irena nur alleine aus diesem Teufelskreis befreien kann und befreit. Denn Irena liebt Thea, weil sie glaubt, dass es ihre Tochter ist. Die Tochter von dem MAnn, der sie tatsächlich geliebt hat und den der Zuhälter umbrigen lies. Am Ende ist Thea nicht Irenas Tochter, aber ihr bleibt etwas vom Glück, dass sie sich versuchte zurückzuholen, nachdem ihr alles genommen wurde. Ein Thriller, spannend und außergewöhnlich, bekommt von mir 9 Punkte. (ch)
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