Archiv für Oktober 2007


Liebe Jane,

28. Oktober 2007 - 12:38 Uhr

Du hast einige der wichtigsten Englischen Romane geschrieben. Treu deinem Motto folgend “My characters shall have, after a little trouble, all that they desire.” enden alle Geschichten mit einem Happy End. – Außer deine eigene.
In dem Film “Becoming Jane”, der dich ungefähr im Alter von 20 Jahren schildert, verliebst du dich in einen Mann, doch leider kommt keine Hochzeit zustande – schuld hat das Geld und einige dreckige Intrigen. Doch du, so treu wie alle deine Charaktere, liebst diesen Mann dein ganzes Leben und bleibst, auch als du schon eine bekannte Schriftstellerin bist, “Miss Jane Austen”.
Filmisch und emotional passt das alles sehr schön zusammen. Aber seit dem Besuch im Kino schwirrt eine Frage in meinem Kopf: War es wirklich die Liebe zu einem Mann, den du nicht heiraten konntest, die dein Leben so beeinflusste? Ich dachte immer, du hättest dich über die Konventionen der Zeit hinweg gesetzt und deinen Beruf (völlig unüblich für Frauen in dieser Zeit, es sei denn, sie waren Prostituierte) einem Ehemann vorgezogen. In dem Film gibt es eine kurze Passage, in der du eine der wenigen etablierten Schriftstellerinnen der Zeit triffst. Mrs. Radcliff ist verheiratet und beruftstätig und unglücklich – doch du, frisch verliebt und voll Tatendrang, glaubst, dass für Frauen sowohl Beruf, als auch die Funktion als Mutter und Ehefrau möglich sind. Wie vorausschauend!
Auch deine Charaktere bewegen sich häufig am Rande der Grenzen der Höflichkeit und Konventionen, um am Ende doch den Mann ihrer Träume zu bekommen und das Bestmögliche aus dem Schicksal eine Frau zu sein zu machen: Ehe und Kinder. Gerade für junge Frauen mit wenig Geld war eine gewinnbringende Heirat oft die einzige Möglichkeit Sicherheit und einen bescheidenen Wohlstand zu erlangen. Unverheiratete Frauen waren ihr Leben lang auf die Großzügigkeit ihrer Freunde und Verwandten angewiesen – so wie du. Nichtdestotrotz warst du wahrscheinlich freier als die meisten deiner Zeitgenossinnen: du konntest schreiben und sogar veröffentlichen, auch wenn der finanzielle Gewinn zum Leben zu wenig war.
Schade, dass der Film dich als Opfer einer gescheiterten Liebe darstellt. Vielleicht warst du wirklich unglücklich verliebt, aber für deine Entscheidung Schriftstellerin zu werden und “by your pen” zu leben, ist mehr nötig als blaue Männeraugen und ein paar romantische, verbotene Küsse.
“Becomnig Jane”, auf Deutsch “Geliebte Jane”, bekommt von mir auf der Skala – -; -; o; +; ++ die Note o.
(Hanna)

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Stellungswechsel

27. Oktober 2007 - 18:33 Uhr

Ein bisschen deutsche Komödie der 1980er Jahre, ein bisschen schwarze englische Komödie und ein bisschen “Wir machen mal was ganz Neues” und heraus kommt “Stellungswechsel”. Abwechslungsreich, witzig, aber dann doch irgendwie nicht neu. Charmat erzählt die Autorin und Regisseurin von 5 Münchner Männern, die, jeder auf seine Weise von der Arbeitslosigkeit “getrieben”, sich entscheiden, gemeinsam einen Begleitservice zu eröffnen. Für JEDE ist was dabei und JEDER macht seine kleine Erfahrung, um dann doch ganz anders sein Geld zu verdienen. Für mich ein Film der zeigt, dass man auch in Deutschöland lachen kann, aber trotzdem ein bisschen zu beliebig, um sich länger im Gedächtnis zu halten. (Ch)

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Viva Catalunya!

21. Oktober 2007 - 12:34 Uhr

Ich habe immer angenommen, Barcelona liegt in Spanien. Aber nein: Barcelona liegt in Catalunya – und das ist etwas ganz anderes!

Die autonome Gemeinschaft Catalunya ist neben dem Baskenland und Galicien die dritte Provinz Spaniens, die besondere Rechte und ein spezielles Kulturbewusstsein haben. Es gibt eine eigene Sprache, eine eigene Polizei und den Glauben, dass Catalunya vielmehr eine eigene Nation sei, als ein Teil von Spanien.
Während der Franco-Diktatur wurde das Catalan verboten und damit die Kultur und Autonomie der Region unterdrückt. Die Sprache, eine Mischung aus Spanisch und Französisch, konnte nur gerettet werden, weil sie in Klöstern konserviert und in den Kreisen der Widerstandskämpfer als eine Art Geheimsprache verwendet wurde. Mit dem Ende der Diktatur erhielt Catalunya den Status als unabhängige Provinz zurück und praktiziert nun mit besonderem Engagement das Catalan.
Viele Schüler lernen hier Spanisch als Fremdsprache und sprechen mit Fremden lieber Englisch, als Castellano (das Spanisch der Iberischen Halbinsel), um sich vom Rest Spaniens abzugrenzen. Alle Schilder sind auf Catalan, die Durchsagen in der Metro ebenso und es gibt eine Reihe von Fernsehsendern, die nur auf Catalan ausstrahlen.
An der Uni führt diese Zweisprachigkeit zu eingeschränkten Möglichkeiten für ausländische Studierende, da ein Großteil der Veranstaltungen auf Catalan gehalten werden, alle Mails und Begleitbücher in dieser Sprache verfasst sind und Diskussionen auch bei Veranstaltungen, die auf Castellano stattfinden, gerne in Catalan gehalten werden.

Die markante Fahne Catalunyas, dichte rote und gelbe Streifen, wird ergänzt durch das Wappentier, einen Esel. Böse Zungen behaupten, dass der Esel die Haupteigenschaften der Catalanen widerspiegelt: Zähheit, Sturheit und Trägheit.

(Hanna)

Burrow

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Ratte? Pfui!

16. Oktober 2007 - 12:17 Uhr

Das Casablanca in Barcelona, ein kleines Kino, das auch unter der Woche Spätvorstellungen zeigt. Ich bin die letzte im Saal, noch bevor ich mich setzen kann, löscht der Vorführer das Licht – ich tappe durch das Dunkel zu einem Platz während auf der Leinwand sofort das Spektakel beginnt:
Ratte, sieht gerne Kochsendungen, geht auf der Fluch vor einer schießwütigen Alten verloren und landet in Paris, natürlich in einem Edelrestaurant, wird natürlich gefangen von einem völlig untalentierten Jungkoch, wird sein Mini-Chef, dekt das Geheimnis einer geheimen, geheimen Geheim-Erbschaft auf und wird zum Star der französischen Küche, gelobt von Restaurantgästen wie Kritikern.

Ja, nicht viel neues. Jeder Wendepunkt auf die Sekunde genau geplant, man könnte mitstoppen. Auch die Charaktere, einfacher geht es nicht – und vorhersehbarer! Der Film hätte mich gelangweilt, wäre da nicht die fantastisch choreografierte Situationskomik! Für mich ist es wichtiger, dass im richtigen Moment der Topf mit Suppe umfällt, als dass exakt bei Minute 60 der Antiheld die Frau seiner Träume küsst. Und das muss man den Machern von “Ratatouille” lassen: das Timing ist einmalig!
Dazu kommt das Spiel mit der Perspektive. Wir bewegen uns auf Augenhöhe der Ratte durch die Küche, so bekommen die Bewegungen von Menschen eine andere Bedeutung. Hat mich ein bisschen an Chaplins “Modern Times” erinnert. Der Film ist von der Idee der Choreografie näher am Stummfilm, als an allen animierten Tierhelden der letzten Jahre.

“Ratatouille” bekommt von mir für einen unterhalsamen Abend in Barcelona ein “+”.
(Hanna)

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Barca und die EINA

16. Oktober 2007 - 12:02 Uhr

Es ist schon Ewigkeiten her, dass ich einen Beitrag geschrieben habe. Ich dachte, die ersten Tage in Barcelona werde ich die meiste Zeit allein in meinem Kämmerlein sitzen, keinen kennend, nicht wissend wohin und hilflos Nachrichten in das Internet sendend.
Aber Pustekuchen: Der Sonntag, mein Ankommtag verflog wie nichts und am Montag pünktlich um 9 Uhr stand ich im Büro meiner Uni. Dann ging es Schlag auf Schlag: Studienberatung, eingeschrieben, Stundenplan bekommen, zur Mutter-Uni gefahren, eingeschrieben, Catalan-Kurs gesucht, Handy gekauft, Bibliothek gesucht, Supermarkt gefunden…
Seit zwei Wochen studiere ich nun an der EINA, einer privaten Design-Schule in Barcelona. Mondän residiert man dort in einem kleinen Schloss mit Garten und Springbrunnen. Und die Studenten stammen, mit Ausnahme der wenigen ERASMUS-Leute, aus etablierten Barceloneser Familien. Als ich die Rechnung für mein Semester an der EINA präsentiert bekam, war ich sehr dankbar, dass es in Deutschland noch keine Studiengebühren gibt und ich auch in Spanien davon befreit bin! Pro Kurs wird hier gezahlt, und das nicht zu knapp. (Alle gängigen Kreditkarten werden im Büro der Schule akzeptiert, aber Barzahlung ist durchaus üblich.)
Man merkt, dass genügend Geld für Räume und Material zu Verfügung steht, alles ist neu und vom Besten. Der Hausmeister ist rund um die Uhr beschäftigt, die Böden auf Hochglanz zu halten und die Schule unterhält ihr eigenes Café im Park. Übrigens ist das Arbeiten mit einem Laptop trotz der bequemen Stühle im Flur verboten, dafür gibt es einen eigenen Arbeitsraum!
(Hanna)

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36 Stunden

15. Oktober 2007 - 22:50 Uhr

Mailand, Halle, Weimar, Barcelona und nun Paris. Und dies in weniger als 3 Wochen. Mitterweile bin ich zum Flug-Profi erwachsen. Aber nun also Paris. Festival des deutschen Films im Herzen der französischen Hauptstadt. Ankunft am Flughafen Charles de Gaulle. Die Frisur sitzt. Seit 26 Stunden auf den Beinen. Schlaf: 30 Minuten im RE von Halle nach Berlin. Es geht im Taxi direkt zum Kino. Screening mit Diskussion (zum Glück wird übersetzt). Die Wachstunden haben sich auf 29 ausgedehnt. Im Foyer weitere Gespräche zu Outsourcing. Dann Spaziergang zum Jardin du Luxembourg. Es folgt Essen in drei Gängen. Zusammen mit German Films und Dani Levy. Sehr, sehr lecker. Ente blutig – hab ich noch nie gesehen. Aber toll. 36 Stunden wach – Zeit fürs Bett. Paris je t’aime. (M)

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Und weiter gehts

3. Oktober 2007 - 15:20 Uhr

Tag 2 unseres Drehs. Hier waren vor allem die Jungs gefragt. Gedreht wurde das An- und Abschalten des Vaters mit der Fernbedienung aus verschiedenen Perspektiven. Immer und immer wieder flog der Schraubenschlüssel auf den Boden. “Man, drück doch…” aber scheinbar ist plötzlich die Fernbedienung kaputt.
Am Nachmittag war dann das Ensemble wieder komplett und wir gingen die Eingangssequenz an. Totale auf das gesamte Geländer mit untergehender Sonne. Die Sonne verschwand und die Szene ward im Kasten. Auch wenn uns die SR1 ein wenig ärgerte und plötzlich zur Highspeed wurde, auch wenn stundenlang Urlaubsflieger über Weimar kreisten und uns alle (aber besonders Moritz und Henry) zur Weißglut brachten, am Ende des Tages waren alle Szenen geschafft. Die Macht war mit uns. (M) Foto: Axel Clemens

Frank Röth (l) und Jessica (r)

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