Archiv für Mai 2007


Drei Stunden voller Nichts

30. Mai 2007 - 17:59 Uhr

Was soll ich sagen: Piraten sind leider nicht mehr das, was sie mal waren. Die Schiffe kommen aus dem Computer, die Affen zittern vor Kälte, und man jagt sich gegenseitig von einem Wendepunkt zum nächsten. Am Ende weiß nicht einmal mehr der Drehbuchautor selbst, welche Intrige jetzt wo und vor allem mit wem gesponnen wurde. War es früher noch ein Abenteuer mit dem dunklen Schiff die Weltmeere zu durchkreuzen und spanische Goldfrachter zu überfallen, so bedarf es heute bereits einer Prise Unterwelt, falsch verstandener griechische Mytholgie, schwuler Kapitäne und jede Menge Blooms. Und weil man auch nicht genau weiß, wie man das alles zusammen bekommen soll, macht man drei Filme daraus und erzählt es episch breit in drei Stunden. Oh, oh, Johnny, zieh nur in den Krieg – aber lass uns bitte zu Hause. (M)

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“Paranoid Park” von Gus van Sant

25. Mai 2007 - 12:51 Uhr

Nach den nicht erfüllten Filmträumen bei “U2 3D” hatte ich das Glück, eine zweite Invitation für einen Wettbewerbsbeitrag zu bekommen (Danke, Martin!). In Cannes ist es so üblich, dass die Filme, die am Abend Premiere feiern, am Morgen und Nachmittag in zwei zwar wenig glamurösen, aber ausverkauften Vorstellungen gezeigt werden.

So saß ich am Montag um 13.30 Uhr in meinem Straßenbahnsitz und wartete auf “Paranoid Park”. Vorher zeigte Gus van Sant einen Kurzfilm (in 16:9, weil auf HD gedreht). Dann ging es im klassischen Van-Sant-Seitenverhältnis (4:3) weiter.

“Paranoid Park” schildert einen jungen Skater, der bei einer Clique in einem selbst gebauten Skating-Gelände Anschluss sucht. Dabei wird er Zeuge (oder Täter) eines tödlichen Unfalls.

Der Film ist fantastisch fotografiert (4:3 erträgt man im Kino auch nur, wenn es von Christopher Doyle komponiert wurde). Die Szenen werden meist ohne Schnitte, mit nur einer Einstellung erzählt. Wer “Elephant” schon gesehen hat, dem kommen die minutenlangen Gänge durch Schulflure beängstigend vertraut vor. Auch die Schauspieler sind großartig. Besonders der Protagonist “Alex” hat eine brauschende Präsens. Auch wenn ich persönlich nichts mit Skateboards anfangen kann, aber durch Alex’ Augen sehe ich mir gerne seine Welt an. Erwachsene (bis auf den Inspektor) tauchen nur am Rand auf, als (wortwörtlich) unscharfe Figuren, die sehr weit weg von ihren Kindern und deren Probleme stehen.

Van Sant montiert zwischen die inszenierten Szenen Dokumentarmaterial von Jugendlichen aus den USA, gedreht auf Super8 und miniDV. Für meinen Geschmack sind diese Einschübe zu lang und sie wiederholen sich zu oft. Auch gibt es in der Geschichte Passagen, die zu offensichtlich angelegt sind und dadurch langweilen. Dennoch, durch die eliptische Erzählweise werden diese Schwächen wett gemacht.

Im Gegensatz zu dem ersten Film ein Kinoerlebnis ohne Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich. Auf jeden Fall ein sehenswertes Filmwerk, das sehr nah und eindringlich innere und äußere Umwälzungen im Leben eines 16-Jährigen schildert. Und wie Gus van Sant das immer macht: Am Ende gibt es keine ultimative Lösung, man ist nur einen kleinen Schritt weiter auf dem Weg erwachsen zu werden…
(H)

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Das Frettchen

24. Mai 2007 - 12:43 Uhr

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Auch wundersame Festivalbesucher ohne Akkreditierung waren zu sehen. So flanierte eine Dame mit Frettchen an der Leine und Pelzkragen (das letzte Frettchen?) am Hals auf dem roten Teppich entlang. Da so ein kleines Tier ja auch einen kleineren Verdauungstrakt besitzt und sicher tierisch aufgeregt war ob Situation, den roten Teppich unter den Pfoten zu haben: es kackte einfach auf den roten Teppich! Ich hoffe, der Film hat ihm gefallen. (Ch)

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Das Prinzip Baguette

23. Mai 2007 - 23:38 Uhr

Wenn man glaubt, etwas zu verstehen, dann ist dies meistens ein gutes Zeichen dafür, dass man nichts verstanden hat, oder besser erst gar nicht verstehen sollte, oder vielleicht zum Teil verstanden hat ohne es aber genauer zu verstehen, was da heißt, dass alles möglich ist aber im Grund auch wieder nicht.
Will meinen, du kannst zwar rein theoretisch alles, aber nur, wenn du genau im richtigen Moment an der richtigen Stelle das richtige Lächeln aufsetzt und dir selber sagst: Jetzt oder nie. Und dieses Prinzip lässt sich nicht nur am roten Saum des Teppich erleben, sondern geschieht überall in der Stadt aber am besten zu beobachten in jedem Kreisverkehr. Augen zu, Gas geben, rein und Augen wieder auf. Entweder man überlebt es oder… Das Baguette wird übrigens nach einem Tag zu Gummi. In diesem Sinn sollte man es schnell Essen. Bis dahin. (M)

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In den Hügeln eine Villa

23. Mai 2007 - 23:24 Uhr

Der Wim war da, Dieter Kosslick auch, Regina Ziegler ward gesehen, Volker Schlöndorff sowieso. Bernd Neumann hielt eine Rede, der Grill brutzelte Rind und wie immer flossen Champagner und andere Flüssigkeiten in Mengen. Die Filmemacher wurden zum deutschen Empfang gebeten und wer das Labyrinth der Cann’schen Berge überwunden hatte, wurde mit einer auf mehreren Ebenen gebauten Villa belohnt.
Da wir nicht weit von der Villa wohnten und keine Lust auf das eigene Auto hatten, nutzten wir ein Taxi. Kann man ja durch vier teilen – hahaha. Das Taxi kam an und hatte schon 16,40 Euro auf dem Zähler. Anscheinend zahlt man in Frankreich schon die Anreise des Fahrers. Oder es war einfach zu heiß an diesem Abend… Oder es liegt an Cannes. Die Nacht war auf jeden Fall kurz und der nächste Morgen viel zu schnell wieder da. Bonjour! (M)

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Karten, Kontrollen und kurze Hosen

22. Mai 2007 - 11:46 Uhr

Bekommt man tatsächlich eine Einladung für den roten Teppich, hat man es noch lange nicht geschafft. Es gibt drei Kategorien von Karten und bis man vor lauter Absperrungen den richtigen Eingang gefunden hat, vergehen schon mal 20 Minuten.
Dann wird die Karte und die Badge kontrolliert (Da wird ein Teil schon aussortiert, weil: vollwertige Akkreditierung = rosa Karte, temporäre Akkreditierung = hellblaue Karte). Dann kommt eine weitere Badge Kontrolle, bei der man gebeten wird die Sonnenbrille abzunehmen – abgleich Passfoto und Gesicht.
Endlich steht man vor dem roten Teppich. Hier warten zwei nette Herren auf Leute im Bikini, kurzen Hosen oder Sandalen. Denn es gilt “formal dress” (was so viel heißt wie ordendliche Kleidung) oder “party dress attire” (ist gleich Gala, das bedeutet für Männer: weißes Hemd, Fliege, schwarzer Anzug, schwarze Lederschuhe. Frauen dürfen alles tragen, nur keine FlipFlops oder Jeans).
Es folgt ein mondäner Moment auf dem roten Teppich mit anschließendem Scannen der Invitation. Auf den Karten steht übrigens ein Vermerk, dass nicht gefilmt oder fotografiert werden darf, aber es hält sich kein Mensch und schon gar kein Franzose daran (ein Hoch auf das Fotohandy).
Als Besucher des “Balcon” wackelt man in den dritten Stock, um dort, erstens, mit einem Metalldetektor untersucht zu werden, zweitens, die Tasche entrissen und durchwühlt zu bekommen und , drittens, durch einen viel zu engen Gang in die richtige Sitzabteilung geschleust zu werden. Voila! Und schon sitzt man.
(H)

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Karla Kulumna

21. Mai 2007 - 15:22 Uhr

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Exklusive Bilder vom Roten Teppich. Berichte folgen später. Wenn man genau auf die Bilder schaut, kann man Gus van Sant sehen ;-)

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Bericht von der Premiere

21. Mai 2007 - 12:58 Uhr

Bevor ich euch von der Premiere berichte, möchte ich noch anmerken, dass es eine neue Kategorie gibt. Unter Cannes-Bilder werden wir in den nächsten Tagen Fotos unserer Reise posten.
Aber jetzt zum Highlight. Um es vorweg zu sagen: Das Kino war bis auf die letzten Plätze ausverkauft. Auch auf den Stufen mussten einige Zuschauer sitzen. Das Kino selbst liegt quasi hinter dem Hilton an der Croisette. Mitten in der Einkausstraße von Cannes. Wir waren wie immer viel zu früh und konnten die Frösche und Fische im Foyer beobachten. Alles nur um den Puls ein wenig zu senken. Ich hab den Film zwar schon sehr sehr oft gesehen aber die Aufregung ist wie am ersten Tag.
outsourcing war der letzte Film auf der Rolle (was da hieß: Warten). Und das Kino ging mit. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich bei jeder Wendung im Sitz versinke und wenn das Publikum mitgeht, wieder auftauche. Aber es war ein sehr schönes Screening (bis auf die Kopie der 35mm Rolle…) Frank, Gesa, Tom, Shirin, Anne!!! Danke euch allen!!!! Danke dem Team!!!! Es ist toll hier und wir haben einen tollen Film gemacht!!!! (M)

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